Zwischenzeugnis


Nach dem Gesetz hat ein Arbeitnehmer erst am Ende des Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein Zeugnis. Es gibt aber Situationen, in denen es sinnvoll ist, sich schon vorher ein sog. Zwischenzeugnis ausstellen zu lassen. Das Zwischenzeugnis ist ein vorläufiges Zeugnis, das am Ende des Arbeitsverhältnisses durch das Abschlusszeugnis ersetzt wird und vom Arbeitgeber zurückverlangt werden kann.

Der Anspruch auf ein Zwischenzeugnis kann sich aus einem Tarifvertrag ergeben. Wenn auf das Arbeitsverhältnis keine Tarifverträge anzuwenden sind, ergibt sich der Anspruch auf das Zwischenzeugnis aus der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers. Das setzt aber voraus, dass ein triftiger Grund vorliegt. Ohne triftigen Grund und ohne tarifvertragliche Regelung besteht kein Anspruch auf ein Zwischenzeugnis. Es ist keine Serviceleistung des Arbeitgebers, die der Arbeitnehmer nach Belieben abrufen kann, um mal festzustellen, was der Arbeitgeber eigentlich von ihm hält. Ein Zwischenzeugnis kann der Arbeitnehmer nur dann verlangen, wenn er seinen Wunsch nach einem Zwischenzeugnis begründen kann.

Als "triftiger Grund" für den Anspruch auf Erteilung eines Zwischenzeugnisses gilt in der Regel
1. ein mehrjähriges Arbeitsverhältnis ohne zwischenzeitliche Mitarbeiterbeurteilung,
2. ein Wechsel des direkten Vorgesetzten,
3. eine deutliche Veränderung der Arbeitsaufgaben am momentanen Arbeitsplatz (Versetzung,
Auslandsaufenthalt, Beförderung mit neuen Verantwortlichkeiten, Abordnung in ein Projekt)
4. eine längere berufliche Auszeit (Elternzeit, Sabbatical, mehrmonatiger Urlaub, Zweitstudium, Vollzeitweiterbildung, Freistellung als Betriebsratsmitglied),
5. eine arbeitgeberseitige Kündigung oder ein Aufhebungsvertrag
6. der Übergang eines Betriebs oder eines Betriebsteiles nach § 613 a BGB auf einen anderen
Inhaber
7. eine Eigenkündigung des Arbeitnehmers bzw. die Bewerbung um einen anderen Job,
8. der Wunsch des Mitarbeiters, eine Weiterbildung zu absolvieren, wenn die Fortbildungsstätte beider Anmeldung ein (Zwischen-)Zeugnis erwartet
9. die Pflicht zur Vorlage bei Behörden oder Gerichten.

Wenn ein Arbeitnehmer um ein Zwischenzeugnis bittet, ohne seine Bitte zu begründen, wird der Arbeitgeber dies in der Praxis als Signal auffassen, dass der Arbeitnehmer mit seinem Job nicht mehr zufrieden ist und den Wunsch hat, zu wechseln. Dieser Verdacht wiederum kann dazu führen, dass er im Arbeitsverhältnis benachteiligt wird. Also bitte: Vorsicht bei der Frage nach einem Zwischenzeugnis.

Der Arbeitnehmer sollte vorsorglich immer dann ein Zwischenzeugnis verlangen, wenn sich eine Gelegenheit dazu bietet. Das Zwischenzeugnis kann, anders als das Abschlusszeugnis, grundsätzlich jederzeit verlangt werden, solange das Arbeitsverhältnis besteht. Das gilt nur dann nicht, wenn das Arbeitsverhältnis erst seit sehr kurzer Zeit besteht, wie etwa während einer Probezeit.

Hat der Arbeitgeber ein Zwischenzeugnis erteilt, ist er regelmäßig an die Bewertung (nicht an die Formulierung) gebunden, wenn er ein Endzeugnis erteilt. Dies gilt auch dann, wenn der Betriebsveräußerer das Zwischenzeugnis vor einem Betriebsübergang erteilt hat und der Arbeitnehmer das Endzeugnis vom Betriebserwerber verlangt. Eine Abweichung von der Beurteilung ist aber möglich, wenn sich zwischen Erteilung des Zwischenzeugnisses und der Erteilung des Abschlusszeugnisses bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses die Leistungen oder das Verhalten des Arbeitnehmers spürbar verschlechtert haben und das für das Arbeitsverhältnis kennzeichnend war.